Altenpflege

Mehrere Träger, ein Vertrag

ver.di handelt für Land Bremen Tarifvertrag Pflege aus

(hla) Trägerübergreifende Tarifverträge für die Azubis in der Altenpflege im Land Bremen konnte ver.di schon in den beiden vergangenen Jahren abschließen. Jetzt ist es erstmals gelungen, einen trägerübergreifenden Tarifvertrag für alle Beschäftigten in diesem Bereich mit der Tarifgemeinschaft Altenpflege in Bremen abzuschließen. Ein erster Schritt, um den Wettbewerb, der bislang auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wurde, zu beenden.

Der Tarifvertrag gilt für rund 3200 Beschäftigte, die bei der AWO, dem Deutschen Roten Kreuz, der Paritätischen Dienste, Diakonie und Caritas arbeiten. Das sind rund ein Drittel der Beschäftigten. Der Gedanke an einen Tarifvertrag Soziales ist im Prinzip bei den aktiven ver.di-Mitgliedern im Herbst 2004 entstanden, als im Zuge der Umstellung auf den TVöD zahlreiche Arbeitgeber aus der Tarifbindung ausgetreten sind, erinnert sich die zuständige ver.di-Sekretärin Kerstin Bringmann. Parallel dazu habe die Privatisierung immer größere Ausmaße angenommen.

Vereinbart wurde jetzt ein Urlaubsanspruch von 29 Tagen, ab dem kommenden Jahr werden es 30 sein. Die Jahressonderzahlung wird auf 45 Prozent angehoben, ab 2018 werden es 50 Prozent, mindestens aber 900 Euro bei Vollzeitbeschäftigung. Die Entgelte steigen während der Laufzeit in Stufen an. Für eine Pflegefachkraft gilt 2017 ein Einstiegsgehalt von 14,50 Euro pro Stunde, ab 2019 werden es 15,30 Euro sein. Der Stundenlohn einer Pflegehilfskraft steigt in dem genannten Zeitraum von 11 auf 11,97 Euro. Der Mantel des Tarifvertrags gilt seit dem 1. Januar, die Entgelterhöhung ab 1. Juni in der stationären Pflege, für den Bereich der ambulanten Pflege ab 1. Oktober. Wer schon heute bessere Regelungen hat, behält seinen Besitzstand.

Bis zu mehreren hundert Euro gewinnen Beschäftigte bei einigen Trägern im Monat hinzu, hat Kerstin Bringmann aufgerechnet. „Bremens Beschäftigte in der Altenpflege werden deutlich aufgewertet“, sagt die Gewerkschafterin. Sie weist darauf hin, dass ver.di-Mitglieder, bei denen der Tarifvertrag nicht umgesetzt wird, ihre Ansprüche mit Hilfe des ver.di-Rechtsschutzes durchsetzen können. Auch wenn der Arbeitgeber später aus der Tarifgemeinschaft austritt, gelten für die dort beschäftigten ver.di-Mitglieder die jetzt vereinbarten Regelungen nach.

Der Tarifvertrag ist für Kerstin Bringmann ein „Mindest-Tarifvertrag“. Er liege auf dem Niveau des TV-L von 2014. Ziel sei es, ihn bei den Tarifverhandlungen im Jahr 2019 an den aktuellen Stand des TV-L anzugleichen. Daher startet ver.di jetzt auch eine breit angelegte Mobilisierung. Ein erster Schritt dazu sind jetzt Info-Veranstaltungen über Details des Abschlusses, das weitere Verfahren und die gemeinsame Vorgehensweise.

Interview


Kerstin Bringmann arbeitet im Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen des ver.di-Bezirks Bremen-Nordniedersachsen

Gute Chancen

Wie habt ihr den Durchbruch zu einem trägerübergreifenden Tarifvertrag Altenpflege im Land Bremen geschafft?
Es hat schon einige Zeit gedauert. Wir haben mit unserem Aktionskreis zu Podiumsdiskussionen eingeladen, mit vielen Politiker/innen gesprochen. Geholfen hat uns auch, dass Arnold Knigge als Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege unser Vorhaben unterstützt hat. Fast alle Unterzeichner sind Mitglied der LAG. Auch der Wettbewerbsdruck untereinander hat die Verbände vom Sinn eines trägerübergreifenden Tarifvertrags überzeugt.

Nächster Schritt ist, den Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklären zu lassen. Wie schätzt Du die Chancen dafür ein?
Die Arbeitgeber, die schon unterzeichnet haben, wollen weitere Arbeitgeber in den Tarifvertrag holen. Wenn wir es schaffen, dass der Tarifvertrag für mehr als 50 Prozent der Träger gilt, sehe ich gute Chancen für die Allgemeinverbindlichkeitserklärung.