Leipzig

Mit Witz und Beharrlichkeit

Selbstständige Dozent/innen wehren sich

(gulasch) Die Tarifrunde für den öffentlichen Dienst läuft. Doch während die Beschäftigten in diesem Bereich auf gute Einkommenszuwächse hoffen dürfen, gehen Solo-Selbstständige bei öffentlichen Trägern meist leer aus. So auch die zahlreichen Dozent/innen an den Volkshochschulen (VHS) und Musikschulen, die mittlerweile mehrheitlich nicht mehr angestellt, sondern als Honorarkräfte arbeiten müssen. Doch dagegen regt sich Widerstand.

In Berlin schafften es die gut gewerkschaftlich organisierten VHS- und Musikschuldozent/innen, den Senat zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche Beschäftigte zu bewegen. Doch dieser wurde von der Tarifgemeinschaft der Länder zurückgepfiffen – man wollte keinen Präzedenzfall schaffen.

Auch in Leipzig engagieren sich die selbstständigen VHS-Dozent/innen seit Jahren beharrlich für bessere Arbeitsbedingungen. Sie gründeten eine Dozenteninitiative und bildeten eine ver.di-Betriebsgruppe, die fast ausschließlich aus Honorarkräften besteht. Die Vergütung ihrer Unterrichtsstunden ist so schlecht, dass viele von ihren mageren Verdienst mit HartzIV aufstocken müssen. Wenn von durchschnittlich ca. 23 Euro Stundenhonorar die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, Krankenkassenbeitrag und übrige Kosten abgezogen sind, bleibt unter dem Strich nicht viel mehr als der gesetzliche Mindestlohn.

Heiratsmarkt im Rathausfoyer

Um das zu ändern, sorgen sie immer wieder mit witzigen Aktionen für Aufsehen: So u.a. mit einem „Heiratsmarkt“, den sie im Foyer des Leipziger Rathauses veranstalteten. „Heiraten Sie eine/n VHS-Dozent/n“ stand auf ihren Plakaten und per Flugblatt priesen sie sich an: „Studiert, unterhaltsam, freundlich, fleißig, vorzeigbar, kreativ und realistisch…“ Alles, was ihnen fehle, sei ein vermögender Partner.

In der Vorweihnachtszeit rückten sie der Stadtverwaltung erneut auf die Pelle – diesmal mit einem großen Paket, das keinesfalls ein Geschenk darstellen sollte, sondern eine „Beziehungskiste“. Im vergangenen Herbst radelten sie im Rahmen der bundesweiten Selbstständigen-Aktion „Arsch hoch für die Rente“ durch die Stadt und informierten an öffentlichen Plätzen über ihre Situation.

Ihre Hartnäckigkeit zeigt Erfolge: Von mehr als einem Jahr wurden die Honorare der VHS-Dozent/innen von 16 auf durchschnittlich 23 Euro pro erteilter Unterrichtsstunde angehoben. Mit den Verantwortlichen der Leipziger Stadtverwaltung ist man weiter im Gespräch; ein erstes Treffen mit Landespolitiker/innen steht unmittelbar bevor.

Interview

Karl Kirsch ist Dozent für Deutsch als Zweitsprache und einer der Sprecher der Leipziger Dozenteninitiative

Partner, nicht Gegner

Was möchtet ihr mit eurer Initiative erreichen?
Es geht nicht an, dass qualifizierte Lehrkräfte, die in den Integrationskursen staatliche Hoheitsaufgaben erfüllen oder z.B. hochkarätige Vorbereitungskurse für die Universitätslaufbahn anbieten, unter derartig schlechten Bedingungen arbeiten. Das möchten wir gemeinsam mit ver.di ändern.

Was erwartet ihr von der Tarifrunde öffentlicher Dienst?
Wir appellieren an ver.di, uns mitzudenken. Allein in Leipzig arbeiten fast 750 selbstständige Dozent/innen für die VHS. Wenn wir nicht als „Schmutzkonkurrenz“ missbraucht werden sollen, muss sich hier schnellstmöglich etwas tun. Wir möchten, dass wir Selbstständigen genau so behandelt werden wie unsere angestellten Kolleg/innen. Es geht also nicht allein um die Honorarhöhe, sondern auch um Anspruch auf Urlaub, Regelungen für den Krankheitsfall, das Recht auf Fortbildung. Und die Personalräte sollten uns endlich nicht mehr als Gegner sondern als ihre Partner im Kampf um gutes Geld für gute Arbeit sehen.